Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Jhr habt gute Erfahrungen gemacht, was euer Gewicht angeht? Oder eher nicht? Jedenfalls seid Jhr hier richtig!

Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Gemellus » Donnerstag, 12. November 2015, 18.02

Kurvenfan hat geschrieben:Dann bin ich wohl der einzige, der hier traurig oder betreten ist. Ich glaube kaum, dass so ein GESETZ hier in dem Fall dieses Gefühl bei Sophie korrigieren kann. Das könnten eben nur Menschen, die mit ihrem Auftreten und auch einer gewissen Ehrlichkeit dafür einstehen. Ein Gesetz ist nur Papier und Paragraphen.


ich denke dass es zwei verschiedene Wege gibt ( so ähnlich wie induktive und deduktive Methode):

- Gesellschaftliche Realitäten ändern sich - Gesetz ändert sich.

das geht aber aber auch andersrum:

- Gesetz ändert sich - gesellschaftliche Realitäten ändern sich.

Im letzteren Sinne wirken die Antidiskriminierungsgesetze,


Daher kann ein Gesetz schon ein Bewusstsein "DAS ist jetzt nicht in Ordnung!" schaffen.
Übertreten werden oder missachtet kann ein Gesetz dagegen immer.

liebe Grüße Gemellus
Wer sein Leben so einrichtet, dass er niemals auf die Schnauze fallen kann, der darf nur auf dem Bauch kriechen. Heinz Riesenhuber (Dt. Politiker, * 1935).
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Blockierer » Donnerstag, 12. November 2015, 18.29

Der Punkt ist, Schlanksein wird in der Gesellschaft glorifiziert. In der Konsequenz, dass allgemein unterstellt wird alles was davon abweicht nicht erstrebenswert sein und auch nicht für gut, bzw sexuell attraktiv empfunden werden kann.

Diese Glorifizierung führt dann dazu, dass sich von den Normales niemand vorstellen kann, jemand möchte einfach mal ein Kilos mehr haben, weil er sich mit dem Mehrgewicht einfach besser fühlen würde. Wegen dieser Idealisierung will sich auch kein Normalo vorstellen, jemand könnte sich einen dicken Partner wünschen, weil der Jemand Fett sexy findet. Und sehen die Leute dann mal eine dünn / dickes Pärchen, dann denken sie bestimmt, das war ein Betriebsunfall: dünn kennengelernt und danach aufgegangen wie ein Hefekuchen. ;) Oder, vor lauter Verliebtkeit die Fettrollen nicht gesehen. ;)

Ein bisschen wehmütig blicke ich auf die Talkshows der 90ziger Jahre zurück, wo durchaus öfter mal dicke Themen dem Publikum präsentiert wurden, wenn auch das Niveau meist auf unterem Level rangierte. Zurzeit gibt es das Thema in den Medien "sexuelle Vorliebe Speck" überhaupt nicht mehr. Tja, ich find's schade. Der Leser/Hörer/Zuschauer muss informiert werden. :!:

Grüßchen
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon osminduck » Donnerstag, 12. November 2015, 19.30

Ich frage mich, wie man überhaupt eine "sexuelle Vorliebe" - für was auch immer - salonfähig machen, sprich zumindest in der Öffentlichkeit einer Salonumgebung darüber sprechen will. Geht doch eigentlich gar nicht. Wir sind doch alle, naja oder die meisten von uns, ich incl., zu verklemmt oder zu scheu, um im Salon sexuelle Vorlieben auszutauschen. Oder irre ich? Meine persönliche Erfahrung ist, daß es schon eine gewohnte Umgebung braucht, Vertrauen, um sich über sexuelle Vorlieben auszutauschen. In einer solchen, also geschützten Atmosphäre habe ich allerdings keine Probleme damit, mein faible für dicke und fette Frauen zu äußern. Zumal mein Umfeld natürlich sieht, wie die Damen aussehen, die mit mir unterwegs sind. Und daß bei mir eins plus eins = xxl ergibt, ist dann eben klar.
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Madam Rosmerta » Freitag, 13. November 2015, 2.09

Ich tausche mich über meine durchaus auch unkonventionellen sexuellen Vorlieben nicht nur im privatesten Rahmen aus. Ich halte mich allerdings auch gern in Gemeinschaften auf, die damit umgehen können und es ebenso halten. Ich persönlich wüsste zB vor einem ons gern, ob mein Gegenüber es gern so hat wie ich, und ich habe auch Spaß daran, mich mit anderen Leuten (mit denen ich keinen Sex habe werde) darüber zu unterhalten - wenn ich sie denn auch interessant finde!

Ich habe beispielsweise ein Faible für kleine Männer, das ist sozial gesehen durchaus vergleichbar mit dicken Frauen. Das teile ich meinem Gegenüber - wenn dieser ein kleiner Mann ist - selbstverständlich mit!

Ich stehe aber auch jederzeit in anderen Rahmen dazu!
Viele liebe Grüße von Madam Rosmerta :)
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Kurvenfan » Freitag, 13. November 2015, 17.00

@ Gemellus

Ich verstehe zwar was du meinst:

ich denke dass es zwei verschiedene Wege gibt ( so ähnlich wie induktive und deduktive Methode):
- Gesellschaftliche Realitäten ändern sich - Gesetz ändert sich.
das geht aber aber auch andersrum:
- Gesetz ändert sich - gesellschaftliche Realitäten ändern sich.
Im letzteren Sinne wirken die Antidiskriminierungsgesetze


Aber ich glaube das Problem ist eben, dass ja MENSCHEN diese Gesetze machen und die ja auch für die gesellschaftliche Prägung verantwortlich sind bzw. mit dieser leben.
Es ist also schwerer ein Gesetz zu erlassen, was gegen so ein gesellschaftliches Verhalten vor geht, als aus einem gesellschaftlichen Verhalten heraus eines zu beschließen.
Auch Gesetze brauchen eben eine Lobby und da kommen wir wieder an den Punkt, dass es eben auch Leute gibt, die das vertreten müssen. In der Gesellschaft, wie in der Politik!


@ Sophie & SenselessMaus

Wenn es um diese Punkte geht:
- schlechtere Benotung in der Schule
- schlechtere gesundheitliche Versorgung
- Benachteiligung im Einstellungsprozess
- vorurteilsfördernde Darstellung in Schulbüchern, Medien, usw.


Dann würde ich sagen, dass genau hierfür Gesetze geschaffen werden, um so etwas zu regeln.
Aber Sophie sprach ja nicht nur davon und ich habe den bitteren Beigeschmack bestimmt nicht auf diese Argumentation bezogen. Wenn das von mir falsch interpretiert wurde, dann ist es nur mein persönliches Gefühl. Ich habe ja bewusst geäußert, dass ich scheinbar der Einzige bin, der das so wahrnimmt. Muss ja nichts bedeuten...
Ich denke halt nur, dass es für Jobs und Einstellungsvoraussetzungen z.B. einfach wäre so etwas gesetzlich zu regeln und auch hier wäre wieder irgendeine "Ausschlussklausel" vorhanden. So wie aktuell im AGG auch! Bei den anderen Punkten gerade was Bewertung im Schulsystem und Gesundheit angeht liegen die Punkte wesentlich individueller und hier versagt ein Gesetz!
Das kann keine Rücksicht darauf nehmen, ob ein medizinischer Einwand nun gerechtfertigt ist oder nicht? Wenn hier hier vom Umgangston und Auftreten reden, dann ist das wieder etwas anderes, aber das hat nichts mit der Versorgung allgemein zu tun. Das einem Dicken bei einer Erkältung eine Diät empfohlen wird ist heute schon ärgerlich, aber das muss man auch ohne AGG heute schon nicht hinnehmen! Dafür gibt es z.B. auch die Möglichkeit einer Dienstaufsichtsbeschwerde.
Im Grunde würde das AGG einen davor eben auch nicht retten, wenn man nicht klagen wollte...
Bis das wirklich im Kopf der Leute ankommen würde dauert das meiner Meinung nach auch noch eine ganze Weile.


Was die sexuelle Vorliebe angeht würde ich ebenfalls sagen, dass ich offen damit umgehe, aber nicht damit nicht hausieren gehe. Das würde mir vielleicht bei anderen Leuten mit anderen sexuellen Spielarten auch nicht gefallen. Ob und mit wie viel Taktgefühl man im Beispiel von Dumpling da einschreiten würde muss jeder selbst ermessen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade in einer Gruppe die beste Möglichkeit ist das Ego des "Beleidigenden" selbst zu treffen. Dann wird er auf Grund seiner Bemerkung vor anderen ebenso herab gesetzt. Nimmt ihn keine mehr ernst ist auch die Beleidigung wirkungslos.
Die Frage, die sich noch stellt ist mal wieder was "Toleranz" ist. Das bedeutet einfach nur einen Zustand auszuhalten bzw. nicht gegen ihn einzuschreiten. Tolerieren ist etwas "passives" wohingegen Akzeptieren etwas "aktives" ist. Ich toleriere eben dünner Pärchen schon damit, dass ich sie einfach so leben lasse, wie sie möchten. Genau diese Toleranz erwarte ich im Gegenzug auch für Dicke oder sonstig andersartige Menschen. Wieso sollte das auch so schwer sein? Das ist noch nicht mal viel verlangt in meinen Augen. Keiner muss meiner dicken Freundin applaudieren, dass kann ich selbst am besten, aber es muss eben auch keiner negative Äußerungen machen.
Das wäre schon mal ein guter Status Quo. Wie man dann selbst zu seiner Vorliebe und der gesellschaftlichen Wertigkeit steht, dass sollte man auch selbst definieren können!
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Blockierer » Freitag, 13. November 2015, 17.06

osminduck hat geschrieben:... In einer solchen, also geschützten Atmosphäre habe ich allerdings keine Probleme damit, mein faible für dicke und fette Frauen zu äußern....

Man kann dazu anmerken, die Mehrzahl der heterosexuellen Männer hätte kein Problem damit zu äußern auf welchen Typ Frau sie stehen. ;)
Nur, weil jetzt der Sinn oder sonst was nach einer dicken oder fetten Frau steht, braucht es zu einem Bekenntnis einen geschützten/privaten Bereich? :shock:
Ich find's ein bisschen nicht so mutig! :lol:
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Sophie_die_Henkersmaid » Freitag, 13. November 2015, 19.13

Kurvenfan hat geschrieben:Auch Gesetze brauchen eben eine Lobby und da kommen wir wieder an den Punkt, dass es eben auch Leute gibt, die das vertreten müssen. In der Gesellschaft, wie in der Politik!


Aber die Leute, die bereit sind, diese Rolle zu übernehmen, gibt es doch bereits. Sie brauchen dabei aber unsere Unterstützung, entweder als aktives Mitglied der entsprechenden Gruppe oder zumindest als Fördermitglied (finanzieller Beitrag), wenn einem das zeitlich nicht möglich ist.

Natürlich variieren die Schwerpunkte der Gruppen, zu denen diese Menschen gehören. Magda Albrecht von der Mädchenmannschaft kommt z.B. aus dem feministischen Fahrwasser. Sie tourt aktuell mit dem Vortrag "Mein Fett ist politisch". Gruppen wie Dick & Dünn, deren Fokus Essstörungen sind, wenden sich vor allem gegen die Fremdbestimmung des Körpers durch das Schönheitsideal und stehen für Size Acceptance. Vereine wie die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung tragen den gesellschaftspolitischen Anspruch bereits im Namen und sind politisch durchaus aktiv, wie man hier sieht.

Dinge beginnen klein, doch das muss nicht heißen, dass sie nicht wachsen können, und aufgeben, bevor man etwas probiert hat, zählt sowieso nicht, finde ich ;)
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Pik Sibbe » Dienstag, 17. November 2015, 20.51

Kurvenfan hat geschrieben:Anders sehe ich das mit den Homosexuellen und dem AGG im Allgemeinen. Ich stelle immer wieder fest, dass eben in der "Öffentlichkeit" sich da eher zurück gehalten wird. Jedoch sind die Witze und die Sprüche hinter vorgehaltener Hand immer noch die gleichen, wie vor dem AGG. Die Presse könnte jetzt vielleicht keinen Artikel mehr verfassen, der Schwule diffamiert oder man muss in sozialen Netzwerken eben aufpassen was man da schreibt, aber selbst da ist die Grauzone groß.


Ich empfinde das etwas anders, als Du. So wie Du es beschreibst, Kurvenfan, war das vielleicht noch vor 20 Jahren der Fall, denn heute schnappe ich kaum mehr dumme Bemerkungen über Schwule oder Lesben auf, auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Ganz im Gegenteil, viele finden sie cool und ihre Selbstverwirklichung findet gesellschaftlich anscheinend volle Anerkennung. Auch scheint es keine Berührungsängste oder Unsicherheiten mehr im Umgang mit ihnen zu geben. Allgemein nimmt man auch keinen Anstoß mehr an ihrer gelebten Vorliebe.

Ausnahmen gibt es natürlich, z.B. in verschiedenen Religionsgemeinschaften. Ansonsten waren es einzelne Schwule immer selber schuld, wenn ich ihnen gegenüber abgeneigt reagierte. Denn ich scheine für sie wohl ein besonders begehrenswertes Exemplar zu sein, auch heute noch, wenn ich mich z.b. beim Bauchvergleich-Portal zeige. :o

Als ich in meiner Lehrzeit regelmäßig wochenends heim und wieder zurück zur Arbeit trampte, traf ich beinahe alle paar Wochen auf Verehrer, die teils auch ziemlich aufdringlich waren und mir bis auf meinen Arbeitsplatz im Geschäft nachstellten oder noch schlimmer, versuchten, mich auf öffentliche Toiletten zu locken, um sich dann dort einen runterzurubbeln. Ist mir alles schon passiert. :? Nur Gewalt wendeten sie niemals an, und irgendwann nahmen sie alle nach einigen vergeblichen Anmachversuchen auch hin, dass ich kein Interesse hatte.

Kurvenfan hat geschrieben:Man wird mit einem AGG WEDER etwas gegen dumme Blicke NOCH gegen platte Sprüche tun können. Ich finde eine Gleichstellung z.B. im Jobsektor viel wichtiger und auch viel messbarer als solche soziale Interaktion.


Warum soll das, was bei Homosexuellen gut funktioniert hat, nicht auch in Bezug auf mollige Mitmenschen Besserung bringen? Wobei natürlich nicht alleine die Gesetze Homosexuelle zu einem ungezwungeneren Umgang mit ihnen verhalfen. Denn natürlich haben sie auch selber durch eine starke Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen. Man denke dabei nur an all die großen und kleinen Feste, die sie unter entsprechendem Motto organisiert haben.

Und selbst wenn die neuen AGG´s nicht Deinen Vorstellungen entsprechend Einfluss nähmen auf das Verhalten Dicken gegenüber, so liefern sie immer noch rechtliche Handhabe sogar möglicherweise beim Arbeitsrecht, welches Du ja immer gerne entsprechend geändert sähest.

Siehst Du denn irgendwelche Nachteile bei AGG´s zugunsten molliger Mitmenschen?
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Kurvenfan » Dienstag, 17. November 2015, 22.38

@ Pik
Sagen wir mal ich bin da etwas realistischer.

Siehst Du denn irgendwelche Nachteile bei AGG´s zugunsten molliger Mitmenschen?

Ja, die sehe ich darin, dass solche Gesetze zu starr sind und die Ausnahmen, die geschaffen werden müssen zu undifferenziert sind. Auch heute gibt es im Namen des AGG schon Ungerechtigkeit und diese wird weiter zunehmen und das Gesetz und all seine Ziele wenn wir pech haben damit kaputt machen.

Ich bin der Meinung, dass wir ein Gesetz bräuchten, welches selbst nicht diskriminiert!
Also ein Gesetz, in dem keine Nennung jeglicher Eigenschaften von Nöten ist!
Nur dann hat man Diskriminierung wirklich verstanden...

Wir wollen nicht einsehen, dass wir Frustrationspotentiale in der Gesellschaft umher schieben, ohne ihre Ursache zu bekämpfen. Also entweder bin ich zu weit- und die anderen damit zu kurzsichtig oder ich bin einfach ein konservativer Nörgler und die anderen aktive Weltverbesserer.

Leider ist es oft wie im Film. Da gibt es ein vielleicht bekanntes Zitat, was auf dieses Dilemma hinweist:
"Wie unterscheide ich die bösen von den guten Jungs?" - "Wenn sie auf dich schießen, sind es die Bösen."
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Pik Sibbe » Mittwoch, 18. November 2015, 21.01

Kurvenfan hat geschrieben:Wir wollen nicht einsehen, dass wir Frustrationspotentiale in der Gesellschaft umher schieben, ohne ihre Ursache zu bekämpfen. Also entweder bin ich zu weit- und die anderen damit zu kurzsichtig oder ich bin einfach ein konservativer Nörgler und die anderen aktive Weltverbesserer.


Das klingt philosophisch sicher tragend und gehaltvoll, und Dein idealistisch geprägter Ansatz ist unbestritten ein hehres Ziel, nur hält er einem Stresstest im wahren Leben leider nicht stand. Welche Ursachen genau willst Du denn bekämpfen, Kurvenfan, denn für den vielfach unfreundlichen Umgang mit molligen Zeitgenossen gibt es sicherlich eine Menge Gründe.

Nicht nur Frust allein spielt eine Rolle, sondern auch falsche Aufklärung oder die verzerrte Darstellung und Bewertung durch die Presse, um nur einige wenige Ursachen zu benennen. Aber womit bei der Ursachenbekämpfung anfangen und womit aufhören? Manchmal braucht es pragmatische Ansätze anstatt idealistischer Vorstellungen, um ein Problem an der Wurzel zu packen.

Kurvenfan hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass wir ein Gesetz bräuchten, welches selbst nicht diskriminiert! Also ein Gesetz, in dem keine Nennung jeglicher Eigenschaften von Nöten ist!
Nur dann hat man Diskriminierung wirklich verstanden...


Ich versuche, zu verstehen, was Du meinst, Kurvenfan. Aus Deiner Sicht ist offenbar bereits die Aufzählung gewisser Stigmata von Amts wegen in Form dieser Gesetzestexte schon diskriminierend. Gesetze sind aber dazu da, konkrete Mißstände zu bekämpfen. Was Du beschreibst, klingt für mich so ein wenig nach "wasch mich, aber mach mich nicht nass!".

Es hilft aber alles nix, um ein Problem zu beseitigen, muß es zunächst beim Namen genannt werden. Sonst könnten wir eine Menge Gesetze abschaffen und zu den 10 Geboten zurückkehren. ;) Nein, der Mensch braucht konkrete Spielregeln an der Hand, um sich gesellschaftskonform zu verhalten.
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Kurvenfan » Mittwoch, 18. November 2015, 22.05

@ PIK
Nicht nur Frust allein spielt eine Rolle, sondern auch falsche Aufklärung oder die verzerrte Darstellung und Bewertung durch die Presse, um nur einige wenige Ursachen zu benennen. Aber womit bei der Ursachenbekämpfung anfangen und womit aufhören? Manchmal braucht es pragmatische Ansätze anstatt idealistischer Vorstellungen, um ein Problem an der Wurzel zu packen.


In meinen Augen unterstützt die Presse damit nur die Wahl des Zielbildes, aber sie ist zumindest in Bezug auf Dicke in meinen Augen nicht der Auslöser des Problems. Wie gesagt ich muss damit ja kein Recht behalten...
Eine Ursache, die für mich im Raum steht ist die mangelnde Perspektive in Europa. Wir wollen Frieden und Wohlstand, aber wofür? Was fangen wir damit an? Nicht alle Menschen können sich damit identifizieren und die Systeme, die sich in solchen Zeiten bilden mit den Männern und Frauen an deren Spitzen kann man ja jeden Tag bewundern...
Mir persönlich und nicht nur mir fehlt es neben der heilen Welt nach einem Ziel darüber hinaus.

Ich versuche, zu verstehen, was Du meinst, Kurvenfan. Aus Deiner Sicht ist offenbar bereits die Aufzählung gewisser Stigmata von Amts wegen in Form dieser Gesetzestexte schon diskriminierend. Gesetze sind aber dazu da, konkrete Mißstände zu bekämpfen. Was Du beschreibst, klingt für mich so ein wenig nach "wasch mich, aber mach mich nicht nass!".


Ich denke so kompliziert ist das gar nicht. Ich habe das ja auch angeführt, warum ich das AGG als solches für Lückenhaft und in seiner Funktion als falsch erachte. Die 10 Gebote sind ein gutes Beispiel, die selbst dafür funktionieren würden. Da bräuchte man kein AGG, wenn man sich dran halten würde. Wir versuchen Gesetzestexte nur deshalb so exemplarisch aus zu formulieren, damit wir im Falle eines Rechtsstreites eine Handhabe hätten. Sonst ist eben alles wieder Auslegungssache von einem Richter und die sind eben auch "nur" Menschen. Wenn es im AGG einfach heißen würde, dass niemand auf Grund seiner persönlichen Merkmale und dazu würden ja ALLE gehören benachteiligt werden dürfte, dann sollte man keinen Extrapassus für jedes Grüppchen geben, oder? Wie gesagt, ist nur meine Meinung und da stößt "Rechtssprechung" eben an ihre Grenzen.
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Allerleirauh » Mittwoch, 18. November 2015, 23.49

So viele Ecken, in denen ich mich wiederfinden müsste, hat kein Raum - und ich habe sie doch nur marginal als eng empfunden. Gewagt: hätte ich nicht Andersartigkeit erfahren dürfen, wäre viel Feines in mir nie zum Blühen gekommen.
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Pik Sibbe » Freitag, 20. November 2015, 2.05

... sondern auch falsche Aufklärung oder die verzerrte Darstellung und Bewertung durch die Presse...

Kurvenfan hat geschrieben:In meinen Augen unterstützt die Presse damit nur die Wahl des Zielbildes, aber sie ist zumindest in Bezug auf Dicke in meinen Augen nicht der Auslöser des Problems.


Da gehe ich mit Dir weitgehend konform, Kurvenfan, erst recht hinsichtlich Werbung in TV und Presse. Ich vertrat ja schon desöfteren die Ansicht, dass die Presse und die Werbeindustrie den Leuten nach dem Munde reden und raushauen, was sie sehen und hören wollen. So verdient man am meisten und schnellsten Geld.

Aber inzwischen ist mir klar geworden, dass dieser Massenstrom jedes Mal mehr Menschen mitreißt, auch solche, die bis dato eher neutral eingestellt oder sogar der verschmähten Seite zugeneigt waren, was somit das Diskriminierungsproblem weiter verschärft. Hinzu kommt eine gewisse Gruppendynamik z.B. in größerer Runde oder gar ein mehr oder weniger vorhandener Gruppenzwang, da man ansonsten selber zum Opfer werden kann, Beispiel Schule, Bundeswehr, Internat.

Kurvenfan hat geschrieben:Eine Ursache, die für mich im Raum steht ist die mangelnde Perspektive in Europa. Wir wollen Frieden und Wohlstand, aber wofür? Was fangen wir damit an? Nicht alle Menschen können sich damit identifizieren und die Systeme, die sich in solchen Zeiten bilden mit den Männern und Frauen an deren Spitzen kann man ja jeden Tag bewundern...
Mir persönlich und nicht nur mir fehlt es neben der heilen Welt nach einem Ziel darüber hinaus.


Das alles ist sicher eine nähere Betrachtung wert, aber siehst Du da echt einen Zusammenhang mit der Diskriminierung wohlbeleibter Menschen? Dienen Dicke etwa als eine Art Punchingball, an dem der Mob seinen Frust abreagiert? Ist es nicht eher die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, die man auf andere projiziert, um sein Gewissen zu beruhigen oder um seine eigene Figur etwas aufzuwerten. Sicher ein Grund, warum auch mollige Menschen über andere Dicke lästern.

Auch der Frust, der durch die Selbstkasteiung beim mühsamen Halten des eigenen Gewichts entsteht, will abgebaut werden. Da ist die Versuchung groß, mit dem Finger auf dickere Menschen zu zeigen, die vermeintlich nicht so diszipliniert sind und scheinbar den ganzen Tag am Futtern sind.

Kurvenfan hat geschrieben:Die 10 Gebote sind ein gutes Beispiel, die selbst dafür funktionieren würden. Da bräuchte man kein AGG, wenn man sich dran halten würde. Wir versuchen Gesetzestexte nur deshalb so exemplarisch aus zu formulieren, damit wir im Falle eines Rechtsstreites eine Handhabe hätten. Sonst ist eben alles wieder Auslegungssache von einem Richter und die sind eben auch "nur" Menschen.


Die 10 Gebote, die Gott uns schon sehr früh an die Hand gab, waren sicher sehr weise gesetzt und haben auch nach mehreren tausend Jahren nichts an Aktualität und Relevanz eingebüßt. Trotzdem gibt es eben Pappenheimer, denen man es nicht genau genug erklären kann, damit sie es raffen.

Und Du sagst es ja schon selbst und widerlegst Dich damit: Gesetze sind des Richters wichtigstes Werkzeug und sollen zu möglichst objektiven, idealerweise nicht emotional geprägten Urteilsfindungen führen. Denn ansonsten hätte ein Richter wirklich zuviel Spielraum und wir befänden uns immer noch in der Zeit der (richterlich angeordneten) Hexenverbrennungen, wodurch teils ganze Dörfer ausgeblutet sind. Damals ging es nämlich bei der Urteilsfindung zu wie im Wilden Westen, völlig subjektiv, unkontrolliert, weil zu wenig reglementiert.

Kurvenfan hat geschrieben:Wenn es im AGG einfach heißen würde, dass niemand auf Grund seiner persönlichen Merkmale und dazu würden ja ALLE gehören benachteiligt werden dürfte, ...


Ich nehme an, die Beweisführung wird einfacher und rechtlich belastbarer, wenn man die Mißstände konkretisiert
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Blockierer » Mittwoch, 22. Juni 2016, 6.41

Sophie_die_Henkersmaid hat geschrieben:
Kurvenfan hat geschrieben:Auch Gesetze brauchen eben eine Lobby und da kommen wir wieder an den Punkt, dass es eben auch Leute gibt, die das vertreten müssen. In der Gesellschaft, wie in der Politik!


Aber die Leute, die bereit sind, diese Rolle zu übernehmen, gibt es doch bereits. Sie brauchen dabei aber unsere Unterstützung, entweder als aktives Mitglied der entsprechenden Gruppe oder zumindest als Fördermitglied (finanzieller Beitrag), wenn einem das zeitlich nicht möglich ist. ......


Um diesen alten Thread wieder zu beleben:
Es gibt eben keine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die gesellschaftliche Akzeptanz der sexuellen Vorliebe Fat Admiration zu fördern.
Selbst die NAAFA hat diesen Passus bzgl Fat Admirer aus ihrer Satzung gestrichen.
Im Prinzip kommt man sich in den oben genanten Vereinen als FA fehl am Platze vor. Das finde ich schade.
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Re: Sexuelle Vorliebe "Speck" salonfähig machen

Beitragvon Ms_Patmore » Mittwoch, 22. Juni 2016, 15.06

Blockierer hat geschrieben:Es gibt eben keine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die gesellschaftliche Akzeptanz der sexuellen Vorliebe Fat Admiration zu fördern.


Moment, Fördern und Eintreten für die Befreiung dieser Vorliebe von ihrem Tabu und den mitgedachten Vorurteilen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Für den letzteren Punkt fallen mir durchaus Akteure ein. Ob deren Organisationen diese Haltung zu 100% mittragen, ist natürlich eine Frage, die man dann stellen müsste.
"Dick sein ist keine physiologische Eigenschaft – das ist eine Weltanschauung."
Kurt Tucholsky (1920): "Priester und Detektiv", in: "Die Weltbühne"
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